Zeitreisen

Wir sind ja noch im Collagenmonat – die „Februllage“ des Edinburgh Collage Collective hat noch nicht einmal Halbzeit. Wir haben aber auch für das artlaboratorium schon die nächsten Themen vorbereitet, ich verrate schon einmal so viel: Stempeln, Farben, Reisetagebücher uvm. – und einen Workshop, live.

Collagen haben einen Aspekt, den ich besonders liebe. Ich habe mich gerade ziemlich auf eine bestimmte Zeit eingeschossen, lustigerweise bei Collagen ebenso wie bei Zeichnungen: die Fünfzigerjahre. Für meine Februllage-Collagen auf Instagram verwende ich alte SPIEGEL-Ausgaben und lerne eine Menge über die Zeit, in die ich dann etwas später hineingeboren wurde. Vorbereitungen auf den Mondflug, politische Entwicklungen, die längst vergessen sind, und Themen die einem heute genauso begegnen, von Luftverschmutzung über Kriege und Konflikte in aller Welt bis hin zu Anzeigen für Haarwuchsmittel und Abnehmprodukte. Und man ist gereist damals, Langstreckenflüge, die großen Fluglinien machten Werbung für Indien, Afrika. Asien … die Welt begann, kleiner zu werden, globaler. Wenn man zurückschaut, dann haben viele Entwicklungen (Globalisierung, politische Partnerschaften) damals schon begonnen. Und man fragt sich, warum wir bis heute keine Lösungen, z. B. für Umwelt- oder Energieprobleme gefunden haben. Wir haben die Dinge nicht unbedingt besser gemacht seither.

Als Grafikerin sehe ich auch, wie die Werbeanzeigen sich wandeln, aus Strichzeichnungen werden vermehrt Halbtonraster und dann Fotos, schwarzweiss geht in Farbe über, auch in der Fotografie, und irgendwann werden vielleicht meine Enkel auf Magazine von 2019 zurückblicken und sich fragen, warum wir so wenig geändert haben. Oder staunen, wie viel sich doch geändert hat.

Jetzt beginnt für mich eine neue Zeitreise, „über den Teich“, wie man damals gesagt hätte. Ich habe einen Stapel LIFE-Magazine aus den Fünfzigern bekommen und freue mich schon unglaublich darauf, sie zu verarbeiten. Und stelle mir seit Tagen die Frage nach ihrer Geschichte: Ein dicker Stapel Magazine aus den USA muss irgendwie nach Deutschland gekommen sein; und irgendjemand hat sie mehr als 60 Jahre lang aufbewahrt – für mich? Ein kleines Wunder – danke.



2 Antworten zu “Zeitreisen”

  1. Liliane sagt:

    Sehr schön, dieser neue Schatz. Viel Spass damit. Ich hätte eine kleine Frage. Verwendet ihr möglichst die Original Bilder oder scannt/kopiert ihr die? Ich habe immer Hemmungen die raren Originale zu verwerkeln. Das ist aber irgendwie auch schade, oder? Wie macht ihr Profis das?

  2. katrin sagt:

    Liebe Liliane, da ist eine Frage, da schreiben wir glaube ich mal einen ganzen Post dazu. Die Kurzfassung ist: Originalmaterialien sind immer schöner. Nicht alles zerschneide ich, aber in meinen Collagen sind ca. 80 % Originalpapiere, nicht nur Vintage, ich verwende auch aktuelle Großflächenplakat-Schnipsel. Aber es gibt Projekte, für die ich nur ausgedruckte Sachen verwende, die ich genauso liebe. Was ich allerdings nie mache: zeitgenössische Anzeigen auf Hochglanzpapier verwenden. Hilft das weiter? Und danke für die ‚Profis‘,
    Katrin

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